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Dienstag, 14. April 2015

Zukunftsgeschichten



Missstände
„Oder zum Umzug alles Gute“.
             aber sind gewisse "Vorstellungen" , die wir im Kopfe herumtragen, nicht einfach nur grauselig?
Eine meiner Nachbarinnen ist schon weit über Siebzig, klar im Kopf,  aber etwas zart und  labil, nicht mehr  allzu kräftig -  hat sie Angst ins Altersheim zu gehen und ihre Selbstständigkeit aufzugeben. Sie  ist sich aber durchaus im Klaren,  wenn dann auch noch klar im Kopf, wird es irgendwann dazu kommen. Ich kann es ihr nicht verdenken, denn man weiß nie, was auf einen zukommt.
     Nach außen hin sehen alle Heime meist  picobello aus. Außen begrünt, farbenfroh  und hell belichtet. Freundlich  in einer freundlichen Umgebung gut  umsorgt in Würde und Respekt  alt zu werden ist wohl jedermanns Wunsch. Doch wird der wirklich erfüllt?
Die Stift und Seniorenheime, oft angefüllt mit Demenzkranken haben einfach zu wenig Personal und das was da ist gibt sich unheimlich Mühe. So weiß ich -  auch aus eigener Erfahrung, dass ihnen in der guten Versorgung natürliche Grenzen gesetzt sind. Die Fluktuation beim Personal  ist groß. Viele die es möchten, können die Arbeit nicht bis zum Schluß bis über Sechzig leisten. Dennoch bleibt, viele Helfer und Angestellte sind hoffnungslos überfordert und dann kommt es wie von selbst zu Missständen. Keine Zeit, Hetze und viel zu viel bürokratische Arbeit sorgen dafür. Da müssen Pläne geschrieben, Anordnungen des Arztes ausgeführt, Medikamente verteilt, Nachtwachen,  Essen und Wäsche  organisiert werden, Patienten gefüttert und gewaschen, - der Diensttag ist lang und anstrengend. Personalwechsel inbegriffen. Helfer die einspringen, Angelernte die nicht Bescheid wissen oder gedankenlos- oder gar zu jung sind. Ausländerinnen die die Sprache nicht sprechen, vieles ist dort vertreten. Man greift zurück auf Hilfskräfte, weil es zu wenig ausgebildetes Personal gibt, die Heime haben Geldsorgen genügend Personal einzustellen, doch ist das wirklich so, ists nicht nur Politik?
    Im Heim und ganz klar im Kopf zu sein, ist sicher kein Zuckerschlecken, wer noch klar im Kopf ist und sich selbst nicht aufgibt  muss sich wehren, sein Recht auf eine gewisse Eigenständigkeit  und Respekt verlangen..
Gegen Missstände, eine gewisse Art der Vernachlässigung, gegen ein Nichtbeachten, für die Würde des Menschen als der angesehen zu werden, der man ( noch) ist. Nämlich noch halbwegs gesund, zumindest im Kopf. Wir werden alle älter und alle landen wir früher oder später in so einem Heim. Heime sind da, das Personal dafür nicht.
Es gibt zudem  Menschen dazwischen, die aufgrund ihrer körperlichen Behinderung, die es ihnen nicht mehr erlaubt alleine im eigenen Zuhause zu leben, die schon in relativ jungen Jahren in einem – Pflege – Seniorenheim oder Stift untergebracht werden. Für die ist es sicher am schlimmsten zusammen mit Demenzkranken und ganz alten Menschen  in gewisser Art zusammenzuziehen und entsprechend gleich behandelt zu werden. Im Allgemeinen weiß man: Egal wie das Heim von außen aussieht, innen weht ein ganz anderer Wind.
Die Stationsleitung ist überfordert,  die Altenpfleger und Helfer sind überfordert, der ständige und seit Jahren herrschende  Personalmangel ist überall spür und greifbar. Doch das ist noch lange kein Grund, nicht rücksichtsvoll auf die Bewohner zuzugehen. Da sollte die Politik ran und handeln und nicht nur miteinander über das Thema plauschen. Mittlerweile ist durch die globalisierte Welt  und die Ausländerzuzüge nicht unbedingt mehr ein  Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften was die Alten – und Gesundheitspflege  angeht, zu verzeichnen. Mit entsprechenden  Sprachkursen gefördert, wären sie eine Wonne für so manches Altenheim.
Denn die  (überflüssigen) Alten und Kranken sind da und leben noch, mal mehr, mal weniger schlecht als recht. Man muss nicht über ihren Kopf hinweg handeln und sie damit  als nicht zurechnungsfähig  oder nicht aufnahmefähig genug ansehen dies nicht zu begreifen, nur weil sie alt, aber noch lange nicht dement sind. Doch das ist oft bequem, alle über einen Kamm scheren und keine Unterschiede machen, wegsehen wo hinsehen erforderlich wäre, ist einfach..
So haben die Bewohner ein Anrecht darauf, wenn Medikamente abgesetzt werden, zu wissen, warum und wie lange  und aus welchem Grund dies geschieht,  oder dass etwas in der Medikamentenvergabe verändert wird. Genauso, wie sie ein Recht auf Mitsprache haben was mit ihnen geschieht.
Der behandelnde Arzt hat es ihnen zu sagen, er hat die Pflicht sie zu unterrichten. Er hat es, tut es oft nicht oft aus Zeitmangel oder Desinteresse, das ist gelinde gesagt, eine Sauerei und alles andere als in Ordnung..
Wenn zudem ausführende Organe eigenmächtig nach Gutdünken handeln -  denn die Verordnung  unterschreibt der Arzt und die Helferin führt nur aus- ohne die Benachrichtigung  an die jeweiligen Patienten  dass etwas geschieht was sie wissen müssten und möchten, kann man nur sagen, da findet  etwas statt was nicht menschenwürdig ist, man übergeht die Person und hält sie für…na was? Ich weiß es nicht.
Es täte gut, in Würde alt  und nicht übergangen zu werden.
Nur eines von vielen Beispielen.
So könnte man, wenn man für das Wohlergehen der  Insassen gerne richtig sorgen möchte, zum Beispiel bei einer über Neunzigjährigen, die zwar halb blind und zudem fast taub, aber noch richtig klar im Kopf – und noch durchaus imstande ist, selbst auf eigenen, wenn auch wackeligen  Beinen zu stehen -  weswegen sie keine höhere Pflegestufe erhält, durchaus dieser  ein Hinweisschild außen an der Tür anbringen, für all jene,  die unvermutet dem täglichen Schichtwechsel anheim fallen, darauf steht; Bewohner halb blind und zudem fast taub, sodass JEDER der hereinkommt und dort etwas tut, informiert ist wie mit dem Bewohner  des Zimmers zu verfahren ist, erleichtert sich damit selbst als Erst - Helfer seine Arbeit und vermeidet  dass unnötige Beschwerden und Aufregungen  beim Bewohner entstehen, denn der könnte ja auch genausogut herzkrank sein und sich bei unvermutetem ernsthaft erschrecken und dann hat man den Salat und kann den Sanitäter rufen.
 Das könnte die Heimleitung oder eine der Stationsschwestern tun.
Man könnte als alter Mensch natürlich auch wieder umziehen, ein anderes  Heim auswählen, aber was erwartet dort, den alten Menschen dann?
Und wann ergeht es uns - eventuell - ebenso?....Man kann nämlich niemanden in den Kopf hineingucken wie der im Alter sein wird, dement oder klar - leben müssen wir mit beidem. Mit Missständen aber nicht.

© Angelface

auch ein Artikel zum Gesundheitssystem der am 12. 12. 2014 in der Zeitung geschrieben wurde, von wem? Von mir natürlich..
http://www.giessener-zeitung.de/muecke/beitrag/99191/krankt-das-gesundheitssystem/
denn das Thema ist es wert, dass man dranbleibt, es geht uns nämlich alle an auch einigermaßen menschenwürdig zum Sterben zu kommen.
eine Autorin die ich besonders in Bx hervorheben möchte ist diese
http://www.bookrix.de/-ceciliatroncho/
all ihre Bücher sind empfehlenswert und wer sie liest wird staunen welche Wandlungsfähigkeit ihre Texte enthalten.