Es ist doch immer wieder erstaunlich was sich so – von ganz
von selbst ergibt.
Normalerweise gehöre ich auch nicht unbedingt zu denen, die
ständig in der Vergangenheit herum bohren, sich damit beschäftigen zurückzudenken,
oder zu schauen was gestern war, denn das Heute ist wichtiger, realer und verbraucht
auch schon ganz schön viel Zeit.
Aber, wie es eben ist, manchmal ergibt sich ein Gedanke –
ganz von selbst – an jemanden oder etwas und Plubs, schon bist du nicht mehr im
Heute, sondern erinnerst dich.
Eigentlich wollte ich nur aus meinem Nachtkastl eine ganz
bestimmte Birne herausholen, das Lämpchen im Bad, das von Muttern stammt, fasst nämlich nicht
jede Birne und ich hatte mir vorsorglich bei der Übernahme der Lampe
Ersatzbirnen besorgt und – um sie
wiederzufinden, gleich ins Nachtkastl gelegt.
Morgens um 5°°,... 4 Schubladen, alle hölzern und tief, darin
verborgen ein Sammelsurium das ich – irgendwann, mit einem bestimmten Grund
oder nach einem Gedanken – hineingelegt hatte.
Vergessen hatte ich völlig – was darin war.
In einem Umschlag alte Bilder….KARTEN mit Grüßen, liebe Gesichter und noch liebevollere Worte, eine Stunde verbrachte ich
damit vor Rührung darüber zu weinen. Nässe tropft auf meine Seiten -
Mein spinnerter Kater weint unten an der Treppe auch, entweder er langweilt sich oder ihm fehlt etwas - Aufmerksamkeit?
Mein spinnerter Kater weint unten an der Treppe auch, entweder er langweilt sich oder ihm fehlt etwas - Aufmerksamkeit?
Ein ganz dicker Hefter mit Texten, mein Gott, wie lang war das her – das
habe ich aufgehoben? WARUM frage ich mich…das Nachdenken darüber und warum
- verbraucht auch Zeit. Da fiel mir ein, es waren Texte aus der alten Angelface
at, die es schon sooo lange nicht mehr gibt. Ich hänge daran, klar, schließlich
war es ein langer Lebensabschnitt der
mir viel bedeutete. In dem so viel passiert ist. Kein Wunder, dass ich ihn aufgehoben hatte.
Ein gebundener Ordner, BRIEFE von früher – an sie, meine
Mama, die ich nie abgeschickt hatte – den Groll darin konnte man bis in mein
Kissen spüren.
Ein Glück, dass sie sie nie gelesen hat.
Briefe an den kleinen Bruder – heute ist er seit 2 Jahren
tot. Seine habe ich auch alle aufgehoben.
Gut, dass ich sie wieder fand. Wären es Briefe an einen Geliebten,
sie könnten nicht liebevoller und zärtlicher sein.
Alte Bilder in einem Plastikumschlag, durchsichtig, eine fast Schwiegermutter, auch tot schon
seit Jahren, ich sehe sie an und weine. Schön war die Zeit und die Gespräche
mit ihr. Ich merke, ich vermisse sie.
Verblichene, blasse Bilder von Julchen, meinem geliebten
Kätzchen, wie hätte ich sie je wegschmeißen und entsorgen können? Niemals…Paulchen, der schwarzweiße, wie sehr hing ich doch an ihm. Auch ihn finde ich hier wieder.
Klärchen hatte mir vor Jahren ein buntes Büchlein, noch
leer, für all meine Passwörter geschenkt, weil ich Dussel sie immer verlegt
hatte, auch das fand ich darin, denke an
sie und danke ihr, dass sie damals so an mich dachte. Die Passwörter, ja, sie sind drin.
Ein Portrait zweier Personen,
was tun die da drin, einer ist tot, den gibt es nicht mehr, sollte ich sie
endlich einmal entsorgen?
Außer mir, hat ja keiner eine Erinnerung daran.
Dann noch 3 wunderschöne Gedichtbände, mit meinem Lieblingsdichter darin. Die Widmung spricht Bände und für sich.
Dann noch 3 wunderschöne Gedichtbände, mit meinem Lieblingsdichter darin. Die Widmung spricht Bände und für sich.
Ich bring es nicht fertig, irgend etwas davon zu entsorgen, soll es doch liegen bleiben, es schadet weder mir, noch dir, wenn du sie einmal finden solltest. Vertiefe mich in all meine
Briefe, in die Gedichte, in die Texte und
weine…..weil es so schön oder schlimm war?
Nicht mehr daran denken.
Nicht mehr daran denken.
Guten Morgen – Montag, auch einen Tag wie dich, muss es
anscheinend von Zeit zu Zeit geben.
Es regnet, aber der Tag wird hell und ich habe viel zu tun..
© Angelface