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Montag, 17. August 2020

Umarmungslos“

„ Umarmungslos“ - Erbarmungslos - „
oder
macht Corona auch einsam?
….. wenn ich als „ Single“ etwas über Beziehungen schreibe, wird man schnell in die Schublade gezogen - „xxx...   aber ich bin vom Markt der Eitelkeiten weg, ich darf so was schreiben  .... xxxx
Doch ich beobachte meine Umgebung mit offenen Augen, nehme wahr, bemerke und mir fällt auf, was andere vielleicht übersehen oder weniger wichtig finden.

          
       Kontakte und Kontaktarmut ….......wie steht`s damit allethalben?........

Unsere kleine Gemeinschaft im Park kennt sich, soweit man sich kennen kann.
Normalerweise habe ich in den 7 Jahren die ich nun hier lebe so einiges an näheren und weiteren Kontakten ge/ erlebt.
 Vieles bleibt ja im Verborgenen was ja nur gut ist, denn es geht ja auch niemanden etwas an, aber man redet miteinander, lacht miteinander, freundet sich an, tauscht sich aus, hält Pläuschchen, umarmt sich unter Umständen je nach Sympathie herzlich und gibt Patschhändchen.
Mit Anderen gibt man sich nur freundlich die Hand, /oder auch nicht - ist höflich und grüßt denn man kann schließlich nicht die halbe Welt umarmen -  auch wenn sie nur aus 100 Häusern besteht.
Manche sind einem sympathisch,man  kommt sich schnell näher, manches entwickelt sich, findet sich – wird zum Paar, mit anderen wird man kaum warm.
          Ich kann Menschen umarmen, ihnen nah sein, von denen ich weiß mit wem sie Kontakt haben.
Auch jetzt noch mit weniger formellem Abstand denn ich weiß mit wem sie es täglich zu tun haben, weiß wer getestet ist, in Urlaub fährt , selbst aufpasst , schludrig mit dem Abstand ist oder nicht.
     Doch ich merke, auch mir fehlt was.
         Das kann man mit Freunden die von außerhalb kommen nicht, denn sie haben viel mehr Fremd - Kontakt mit völlig Unbekannten,  eigenen anderen Bekannten und Freunden die ich nicht kenne, da wird man automatisch vorsichtig und hält sich an die Abstände oder trägt gar Maske wenn man sich begegnet.
Das macht unter Umständen so etwas wie einsam, ist schmerzhaft denn man hat ja Bedürfnisse, über die man sich ebenso wenig hinwegsetzen kann, wie über das körperliche Abstand halten - zu denen Corona und die Vernunft uns zwingt.
     Man könnte auch dazu sagen: das körperliche kontakfreudige Kuscheln und sich nah sein mit Freunden  hat momentan schwer Pause. Das geht ein klein wenig aufs Gemüt.

Ein schweres Gewitter das von allen Seiten kam und stundenlang über meinem Kopf schwebte, auch die Katzen in Unruhe versetzte,  hielt mich heute Nacht wach. So sehr, dass ich sogar nachts gemütlich und still nur bei Kerzenschein  und Windlicht im Vorbau saß, Katze Mimi auf dem Schoß hatte und in das donnernde Grollen lauschte, so lange bis mir die Augen fast zufielen.
Dazwischen träumte ich vor mich hin und Gedanken fielen mir ein, die ich tagsüber nie habe.
                Klar, am PC schreiben konnte ich nicht , denn Blitze tauchten zuckend auf, der Donner grollte furchterregend  laut sodass auch Glotze gucken nicht in Frage kam und das letzte Buch, das hatte ich eben ausgelesen.
Also kam nur denken, tagträumen, philosophieren und meinen Wahrnehmungen und Gedanken nachgehen zustande, wie es meine Art ist mit dem Leben umzugehen.

Gesichter die ich kannte, tauchten in meinen Gedanken auf und ich merkte die Veränderungen die rings um mich da waren.
Single Menschen weiblichen und männlichen Geschlechts, auch Einzelne die in Partnerschaften lebten zeigten leise Anzeichen von Vereinsamung – von Isolation, von Vorsicht und Rückzug, ja teilweise mit Ungeduld, sogar leichter Aggression, - wie soll man es auch anders benennen ?
        Vielleicht ist das in der Stadt weniger spürbar weil vieles dort  anonym abläuft, man sich weniger kennt, mit mehr Fremden zu tun hat, egal ob in der Arbeitsstelle ,in der Straßenbahn, in der U-Bahn oder im Zug.

Woran liegt das hier (?) - frage ich mich. Lebt man zu " nah aufeinander?"
Es fehlt der Kontakt, die Berührung, das Umarmen, das Kuscheln, das liebevolle Kosen, das herzliche Schulterklopfen, das miteinander Händchen halten, das unbefangene sanfte Tätscheln der Vertraulichkeiten die man sonst vor Corona Zeiten miteinander hatte.
Dann wieder sah ich das Gegenteil davon. Dass einer der sonst immer zurückgezogen fast keinen Kontakt mit anderen hat oder absichtlich ver/meidet, plötzlich zugewandt, nett offen, freundlich offensichtlich Kontakt sucht und redet: er hatte sich neu verliebt und bekam Zärtlichkeit, Berührung, Aufmerksamkeit und Interesse.
Es fand wie ein kleines Wunder eine kleine Verwandlung / S c h w e n k zur Katze - mit Merlin statt.
      Merlin ist ein Mann, ein 12 jähriger an und für sich gesetzter Kater – Mann. Aber es gibt ja auch – Menschen Männer die ebenso isoliert sind und kaum Kontakte haben oder hatten. Die sich ähnlich verhalten.

Da fragte ich mich neu und nicht zum ersten Mal, macht Corona wirklich so einsam oder kommt nur durch Corona der wahre Mensch ans Licht?

Das Gewitter ist abgezogen, der Donner grollt nur noch aus der Ferne, der Regen rauscht ruhig vom Himmel, die Nacht ist still und meine Gedanken sind am Ende.
Meine Fragen sind nicht beantwortet worden – von niemandem, denn niemand will und wird über seine Bedürfnisse reden. Außer er  - sie - es  würde Liebesgedichte schreiben und romantische Anwandlungen kriegen.
Ich frag mal die Katze die friedlich auf meinem Schoß ruht, wie geht es dir damit, spürst du was, was  anders als gestern und vorgestern ist?

Merlin hat sich neu verliebt.

@ Angelface                                    ( 8. Beitrag im August 2020)