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Sonntag, 8. Januar 2017

Drama Rama II - oder das Drama einer Bluse...

                      
20 - 30 cm Neuschnee


Das Drama mit der weißen Bluse….
Was für uns oft völlig belanglos ist, kann sich für einen alten Menschen der keine andere Alternative hat, manchmal zu einem Drama ausweiten.
In jedem Seniorenheim wird die Wäsche ja gekennzeichnet. Der Buchstabe des Vornamens Groß plus Punkt, der Nachname ausgeschrieben – eingestickt  und geklebt  und dann, ab in die Wäsche. Warum wohl wird das so gemacht?

Beim heutigen Personalmangel, wo heute dieser, am nächsten Morgen ein anderer und auch oft eine Vertretung als Schülerin kommt außerdem es immer wieder  Ausländerinnen gibt die nicht in der deutschen Sprache ausreichend gut ausgebildet sind, ist es schwierig allen gerecht zu werden..  Die Letzteren etwas zu fragen hat oft nicht viel Sinn, sie verstehen ja den Zusammenhang und oft auch die Dringlichkeit nicht.

– So  sind die Altenpflegerinnen oft auch zeitlich überfordert, machen schnell, schnell und achten vielleicht nicht auf solch Kleinigkeiten: wo -  gehört – was – und wem  gehört überhaupt – was - wohin!
Schon 
tausendmal habe ich vorgeschlagen ein gut „ lesbares“ Schild außen an die Tür zu heften worauf steht: Achtung, die Bewohnerin ist fast blind – hört außerdem schlecht, -  es wurde einfach nicht gemacht. Dabei macht solches Vorgehen für alle Beteiligten oft das tägliche Leben leichter.
Zur Folge hatte dieses Versäumnis, dass oft Sachen verschwinden die ins Zimmer gehören, anderes dort landete was einem anderen gehört, gewisse Sachen einfach nicht mehr auftauchen; -  und..und..und.
Eine Jeans ist weg, dafür sind fremde Sachen im Schrank, die angeblich einzige weiße Bluse die die Bewohnerin gerne  und täglich unterm Pulli trägt, ist spurlos verschwunden, die Bewohnerin verzweifelt, rief mich an.
„Hast du eine weiße Unterziehbluse für mich“?
Ich meinte,“ kann es nicht auch eine andere sein, du siehst doch eh die Farbe nicht.
„aber ich hätte eine Blaue,  eine rosafarbene Seidenbluse mit langen Ärmeln, eine mit Spitzeneinsatz und Stehkragen, ziemlich viele „bunte Blusen mit Lang arm und Kurz arm und langem Kragen“ – bevor ich noch weiter aufzählen konnte, unterbrach sie mich und weinte.
Kein T-Shirt, keines mit Rundhalsausschnitt, nein, eine weiße Bluse musste es sein.  Nichts anderes.
Mir brach schon der Schweiß aus als ich dies hörte. Wo sollte ich jetzt ad Hock aus dem Stegreif eine weiße Bluse herbekommen? Das Herz und  Begehr verlangt Bluse in Weiß mit gefälligem  Kragen.
Mir scheint, ich bin die einzige die ihr aus diesem Dilemma heraushelfen kann und es ist völlig wurscht, dass ich über 100 Kilometer hin und zurück- entfernt - im tief verschneiten Vogelsberg wohne.Damit ist klar, dass ich vieles im Alltag nicht für die Bewohnerin erledigen kann, sondern dies anderen überlasse und mich auch darauf verlassen muss, dass sie gut versorgt wird. Das ist schließlich eine der Aufgaben die Alten und Seniorenheime haben.
Ob der Hausarzt regelmäßig kommt, die Medikamente richtig verschrieben werden, ob bei den Bewohnern die Blutwerte auf Nebenwirkungen einmal im Jahr kontrolliert werden, ob sie genug trinken und essen, all dies gehört dazu, aber wird dies auch wirklich gemacht oder über den Anforderungen  des Alltäglichen vergessen?
Wer kontrolliert überhaupt wie gut- oder schlecht die Bewohner versorgt werden?
Die Missstände in den Heimen sind hoch.
Darüber mache ich mir oft Gedanken die dann im Kreise laufen und die mir niemand beantworten kann.
                                    So viel Schnee, lag der im letzten Jahr auch schon sooooo                                                                   hoch?
Ich erfülle weiß Gott gerne jeden Wunsch wenn ich es umsetzen kann, a b e r , wir sind bis an die Knie eingeschneit, die Autos zugefroren, der Park nicht geräumt und der Schnee liegt wadenhoch bis an die Hauptstraße Außerdem ist Sonntag, also die Läden zu, selbst wenn ich bis in die Stadt an einen herankäme..
Eine weiße Bluse muss her, woher nehmen wenn nicht klau`n...:-)
Winter in Hessen am Steinerberg
so sollte ich ihn kennen...
da war es ja ähnlich...
und jetzt hier, daran sollte man sich wohl
gewöhnen...!

                     Dann brauch ich einen gefütterten Briefumschlag und einen, der es schafft für mich morgen zur Post zu gehen um das Päckle einzuwerfen das dann auch noch einen Tag braucht, dann muss – wenn es ankommt,  das sauer erkämpfte  Blüschen noch gezeichnet werden um  auf dem richtigen Zimmer zu landen um den Kummer der dortigen Bewohnerin zu mildern.
                                                             

Jetzt werd ich mal flink  in der Nachbarschaft anfragen wer eine weiße Bluse besitzt die er vorrübergehend  leihweise  abgeben kann…Größe 36 sollte sie allerdings schon sein…

okay okay, mittlerweile hat sie hoffentlich ab heute das Sommerblüsken zum drunterziehen, die Post wird ja wohl zuverlässig sein...
das wiederum macht mich froh.


© Angelface