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Montag, 26. März 2018

Unrunde Zeiten


– statt unruhige Zeiten - so will ich mal diesen Beitrag nennen.
    Stimmt jetzt alles wieder?
Wenn ich die Tatsache betrachte, dass ich morgens um 5°° (Sommerzeit) am PC mit einer ersten Tasse Kaffee sitze, -  mir Mimi  ansehe, die sich  neben mir an ihrem neu erkorenen Sitzplatz  ihr Schnäuzchen nach dem Frühstück  genüsslich leckt, wenn sie nicht in irgendwelchen leeren Kartons herumkraucht, -  ich wieder mit „rechts schreibe“, - dann würde ich behaupten: ja.
         Der Park und der Wohnmobilstellplatz liegt dunkel vor meinem Fenster, noch ist er leer, die blinkenden Lichter des Seniorenheimes am unteren Ende  des Parks - gut sichtbar für mich, -  erinnern mich daran: darin könntest du jetzt liegen wenn du Pech gehabt und keine Hilfe gehabt hättest.
 Langsam verliert sich die Dämmerung und deutlichere Umrisse werden wahr, bald wird der Tag da sein. Die rot blinkenden Lichter der Windräder zeigen nicht nur mir den Weg in den Himmel, den Flugzeugen auch.
Es ist ein schöner Anblick, denn es ist mein Zuhause.
Gestern hab ich die Uhren umgestellt – es ist also seit 25.03. Sommerzeit.

        Ja, gestern konnte ich es bei meinem 2. sonnigen Spaziergang sehen.
 Zwar sind die Wiesen noch pitschenass vom geschmolzenen Schnee, die Büsche und Sträucher kahl und  verrottet, die Schäden der Winterstürme noch deutlich zu erkennen, aber da mittlerweile bis auf wenige Reste Schnee fast alles weggeschmolzen ist, ist`s eindeutig frühlingshaft um mich herum.
Okay - noch grau - statt grün - aber auch das kommt ja wieder.!!!
                    Die Natur braucht Zeit um sich vom langen  strengen Winter wieder zu erholen.
Wie ich nach der OP und langen Liegezeit. Wir haben viel hinter uns, der Winter und ich und sicher haben wir beide so einiges dazugelernt.
 Der Winter winkt Abschied nehmend  in  den Frühling, meine Couch  und viele Stützkissen verabschieden sich von mir. In Zukunft werde ich wieder im normalen Bett schlafen. (Zumindest ist dies in Planung.)
Schauen wir mal…! -  & entspannen wir uns...wie die Katzen - oder besser gesagt: wie Mimi, die ein Weltmeister im entspannen ist:-))....


       Meine Unterlagen der Diakonie, dem Krankenhaus, die viele Post der Krankenkasse sind sortiert und abgeheftet, heute wird der Schultermarterstuhl  von der Firma abgeholt, ich zahle meinen Zuzahlungsbeitrag beim Chef der das Hilfsmittel zur Verfügung gestellt hat – schüttle ihm dankbar die Vorderpfote,  wenn er mit dem Stuhl wieder verschwindet, - es  scheint so, als wäre wieder alles rund.  Normal, so, als wäre nie was gewesen.
In meinem Kopf aber bleibt alles.
Die unendlich  langen Wochen nach der OP.
Mein ständiges sich immer wieder hinlegen auf die Couch um eine bequemere Lage für Schulter und Arm zu suchen und zu finden wenn ich stundenlang  nicht schlafen konnte.
 Das sich eingesperrt sein  und isoliert fühlen, weil ich wegen des Wetters nicht vor die Tür kam.
 Die Tatsache dass ich stark eingeschränkt in allem in meinem Alltag bin.
Die Telefonate der Freunde…die Frage wie geht`s dir, kann ich was für dich tun?
Die Nachbarn die mir halfen wenn sie mich besuchten,  für mich mit kochten –
Der Besuch meiner Tochter die extra aus Berlin kam um mich zu sehen.
Der letzte Besuch bei meiner Mutter die so weit weg von mir – mich kaum mehr erkennt -
das sind die Bilder, die bleiben, so soll es auch sein.
     Zwar ha (c) kt man ab was man als unangenehm und schmerzhaft empfand und setzt die positiven Eindrücke den negativen voran, aber was bleibt ist das Bewusstsein, dass  in den beiden Monaten in denen so viel passierte, nicht gleich alles zu Ende war. Man neigt ja oft dazu alles gleich rabenschwarz zu sehen wenn das Leben plötzlich nicht mehr rund läuft.
Oft hilft es,  sich eine Liste zu machen auf der man Plus = Haben  - dem Soll  - was man alles nicht hat – gegenübersetzt.
Wie ein Puzzle das man zusammensetzt - es dauert eine Weile und plötzlich ist das Bild klar.

     Im Übrigen finde ich es immer gut wenn man sich Gewesenes aufschreibt, archiviert und aufhebt um sich zu erinnern, denn wie schnell wird man wieder oberflächlich und vergisst es.
Wie oft schon habe ich mir alte Kalender, Bilder oder Notizen vorgeholt und bin darin versunken, wusste vieles nicht mehr.
Aufschreiben und erinnern finde ich dann sehr gut.
               Das Bewusstsein, dass es Freunde und gute Bekannte gibt die sich kümmern ist schön, sich mehrere Leute einen Bruch oder eine ernsthafte Verletzung auf dem Glatteis zugezogen haben, einer im Park  gestorben ist  - ein Kätzchen mehr das ich gut kannte und mochte nun im Katzenhimmel ist – weniger gut zu hören, -
Aber,  dass das Leben wieder nach all dem dennoch  rund ist, sind neue Erfahrungen, auch  neue Erkenntnisse die ich gewinnen konnte. Auch, dass Enttäuschungen und Verluste dazugehören.
         Alles in allem – anscheinend – hab ich nochmal Glück gehabt – auch,  vieles in freundlichem Licht zu sehen, denn ich hatte viel Zeit zum denken, mehr als je zuvor was mir sicher nicht geschadet hat und so bin dankbar für mein geschenktes Leben.
Mein herzliches Willkommen  gilt nicht nur dem Frühling. Irgendwie auch dem Leckeren im Kühlschrank weils frisch ist; - dem Sonnenstrahl vor dem Fenster, dem gebüsch und den Bäumen am Rand der Wiese und allem was um mich herum schon ein bißchen rund ist.

 © Angelface

Donnerstag, 14. August 2014

aus dem Nähkästchen geplaudert



Auweia, Geschichten vom Wahnsinn des Alltags.
Teils fiktives, teils reales ....
nicht jedes " Heim" ist gleich. Eindrücke...in eine Geschichte gesteckt
Pflege-Alten und Seniorenheime - von Bundesland zu Bundesland sind sie verschieden. Im Heim leben ist wahrlich kein Zuckerschlecken.

Da kommen wir alle irgendwann hin.
Aber sollen wir es uns wünschen?
Ich hab ja das seltene Glück noch eine Mutter zu haben die in diesem Alter, noch auf der Erde weilt.
Mit 93  ganz sicher keine Selbstverständlichkeit, sondern eher eine Seltenheit.
Sie ist noch recht  scharfzüngig, sehr klug und  klar im Kopf, an allem interessiert und damit, im Gegensatz zu anderen Bewohnern, die man Gäste nennt, eine lobenswerte Ausnahme, was ihr immer wieder versichert wird, davon konnte ich mich auch selbst  überzeugen. Allerdings sieht sie kaum mehr etwas und das Gehör funktioniert nur noch auf dem rechten Ohr, was dazu führt, dass sie immer darum bitten muss, sich rechts  von ihr zu setzen, damit sie etwas versteht. Sie hat mir gestattet etwas aus ihrem Alltag zu erzählen.
Sonst ist sie zierlich bis zum Abwinken, blass weil sie nur in Begleitung heraus kommt und sehr dünn, weil sie nur das Nötigste isst. Aber es geht ihr den Umständen nach, gut, sagt sie.
Komme ich zu Besuch von relativ weit her, bin also auch nicht so oft da sondern telefoniere nur täglich zweimal mit ihr, dann komme  ich auf meinem Weg zu ihrem 1- Zimmer/Appartement an  etlichen  starr – blass -  vergeistigt  aussehenden Gesichtern vorbei die, wie es offensichtlich scheint,  so gut wie nichts mehr von ihrer Außenwelt wahrnehmen. Da ein Rollstuhl in dem sich ein blasser Gast befindet der so aussieht als befände er sich schon auf halbem Weg ins Jenseits, das tut einem dann richtig leid.
Die Männer sind  von diesem Zustand der allgemeinen Schwäche meist mehr betroffen als die meist jüngeren Damen, - dann  dort ein abwesender Blick am Tisch, der mehr ins Innere als nach Draußen in die Realität schaut.
Eigentlich ist es ein grausames Bild das sich mir bietet und ich gehe oft mit innerem Schaudern daran vorbei
Denke mir, gehts dir auch irgendwann so? Hilft dir dann einer?
.
Der Speisesaal ist knapp halb gefüllt mit stillen  Menschleins die nur noch das Essen auf dem Teller sehen, ein Gespräch findet nicht statt. Manche Bewohner, sieht man, werden gefüttert.
Das Personal klappert eifrig mit dem Geschirr, was sie von den Gästen der Zimmer und deren Zustand tatsächlich bewusst wahrnehmen entzieht sich meiner Kenntnis, ich denke sie haben einen harten Job. Sind permanent unterbezahlt und haben wenig Zeit.
Es gibt gute und  schlechte Schwestern, die ja Altenpflegerin sind.
Manche sind aufmerksam und liebevoll, bemühen sich auch aus ganzen Kräften mehr zu geben als es ihre Arbeitsstelle von ihnen abverlangt.
Das heißt sie reden auch mal ganz vernünftig mit einem und hören bedingt zu, falls das zeitlich geht.
Meine Mutter sagt, hoffentlich brauche ich nachts nicht noch mal einen der mir hilft, denn dann sind die, die da sind, meist ist es nur eine auf der Station, hoffnungslos überfordert. Das hat sie selbst erlebt als sie einen Angina pectoris Anfall erlitt.
Es gibt keine extra Schlaftablette wenn man nicht schlafen kann, kein Abführmittel ohne dass der einmal in der Woche erscheinende Arzt ein Rezept ausstellt und auch da müsst man bitten und betteln. Wehe es droht ein Herzanfall, dann ist man wahrscheinlich verlassen, einige der  Schwestern zeigten sich in Problemsituationen sehr hilflos.
Im Grunde ist sie sich selbst überlassen. Frühstück meist  zwischen  9°° bis 10°°, dann kommt die Putzfrau die auch schon mal vergisst die Flächen im Bad abzuwischen, sie ist nur für den Boden zuständig, die Schwestern sind mit anderem genug ausgelastet, also bleibt das Unterdeckchen zum Essen schmutzig und oft genug wird sie erst um ½ 11 angezogen. Nur Montag, montags sind sie pünktlich und schmeißen sie  – schlaftrunken wie sie noch ist, gnadenlos aus dem Bett wenn sie sich nicht weigert.
Das tut sie nun neuerdings, dann klappts wieder zu einer normalen Zeit.
Ihre Lieblingsschwester, die auch schon ein privates Wort an sie richtet, bereitet ihr – immer wenn sie da ist – ein fürstliches Frühstück, mit Käse und Wurst, Quark und genug Butter auf dem Brot, sorgt auch für Obst und fragt immer was sie denn außer Wasser und Kaffe trinken möchte.
Aber wehe, es geschieht ein Wechsel im Dienst.
Da kann es schon mal sein, dass man die Butter suchen muss die sich auf dem halben Brot befindet und  von Quark oder Schinken ist nicht die Rede .Ein Töpfchen abgepackte Marmelade dazu  und fertig ist die Laube, das erzählte sie mir und lachte, wo ist meine  Schw .S. Die vermisst sie dann schmerzlich, doch Unterschiede  müssen anscheinend sein.
Kleine Anekdötchen von ihr erzählt:
Auch  kann es schon mal sein, dass  sich um 7°°morgens die Tür öffnet und sich eine dunkle furchteinflößende Stimme mit einem Wasserfall an Informationen  über sie ergieß. Kein Wunder, dass ein Mensch wie meine Mutter  sich zu Tode  erschrickt und gar nichts versteht. Genauso wenn sie mit Kopfhörern TV schaut, dann hört sie überhaupt nichts und wenn sie  mit nur 15 cm Abstand vor dem Schirm sitzt  dann ist sie völlig isoliert  und  sieht  auch nichts anderes.  
Dass sie zu Tode erschreckt ist, wenn sich  ihr  unversehens von rechts  ein kaltes Händchen  auf die Schulter legt und sie schüttelt verwundert sie nicht mehr, fast hat sie sich daran gewöhnt..
Mach doch ein Türschild an; bin hör und sehgeschädigt sag ich zu ihr, ich schreib es dir auch auf und hänge es an, dann weiß jeder der dein Zimmer betritt, Bescheid. Doch das möchte sie nicht, will keine Extrawurst gebraten haben.
So aber geschehen Begebenheiten dass sich oftmals schon beim zuhören meine Haare stellen. Da stand plötzlich wie aus dem Nichts so gegen 22° ein Herr lediglich mit  Unterhosen bekleidet an ihrem Fußende und schwieg still, ging aber nicht mehr weg bis sie selbst aufstand und ihn wieder hinaus führte und der Nachtschwester antrug ihn zurück in sein Zimmer zu bringen. Sicherlich hatte er sich lediglich verlaufen.
Der Morgendienst verkündete ihr dann , sie könnte sich ja nachts selbst einschließen, dann käme auch keiner zu ihr rein.
Oder die Geschichte, die sie mir von ihrem Schmuck erzählte, ein Glück lacht sie selbst über diese Geschichten die ihr passieren, sie hat noch eine Menge Galgenhumor und noch etliche andere Geschichten auf Lager, doch manche sind schon ziemlich harter Tobak, wenn man das nicht kennt und mit der Materie Pflege - und Heime - nicht so vertraut ist..
Sie kam gegen 21°° nach ihrem  üblichen Abendspaziergang durch die Gänge in ihr Zimmer und traf auf eine  schemenhafte Gestalt weiblichen Geschlechts die im dunklen Zimmer  in IHREM Fernsehsessel saß und sich seelenruhig ihre Ringe anprobierte. Erst erschrak sie sich natürlich, man erwartet ja nicht abends Menschen wie Geister, die im Zimmer herumgeistern, dann fragte sie höflich nach deren Begehr worauf sie keine Antwort bekam.
Wieder musste sie sich die Schwester zu Hilfe holen, die den Gast dann liebevoll abtransportierte und am nächsten Morgen bekam sie dann auf ihre Anfrage auch ihre Ringe zurück. Die Dame dachte wohl, sie befände sich in ihren eigenen 4 Wänden.
So führt meine Mutter in ihrem -  wie man offiziell feststellt  luxuriösem  1-Zimmerappartement von ca 15 qm ein recht abwechslungsreiches Leben, aber ob man sich das so wünscht und will, das bezweifle ich eben.
Wann kommen wir dahin? Werden wir überhaupt 93  - hört und sieht schlecht, kann aber noch laufen,  wünscht man sich das auch?
© Angelface - Geschichten aus dem Alltag -einiges  fiktiv - anderes  nicht  erfunden,  auch erlebt.