Samstag, 13. Juni 2015

Tagebücher schreibt irgendwann einmal jeder.


selbst Oma und Opas taten dies schon. Meine Großeltern mütterlicherseits kommen aus dem Lehrberuf, da ist es fast selbstverständlich das man Wichtiges niederschreibt, so existieren heute noch teilweise Tagebücher von ihnen.
Ich selbst habe von ihnen nur noch ein winziges Bild von beiden, allerdings mit einer hellen Locke meiner Großmutter darin. Gerade habe ich das  Bild mit Rahmen für meine Mutter repariert, sicher ist es über 100 Jahre alt. Wüßten sie, dass ich beides  als ihre einzige Enkelin bis heute aufbewahre, würden sie sich sicher freuen.

 Für mich ist es ein Zeitdokument und sind  deshalb nicht nur private Notizen. Vielleicht dachten sie damals schon an ihre Enkel und schrieben aus diesem Grund eine Inschrift darauf? wer weiß.
     So können Tagebücher
  aussehen wie eine Kladde, eine erste Niederschrift ins Unreine, manchmal auch wie ein Schulheft, wie ein simples Notizbuch oder wie seit Längerem bei mir wie ein überdimensionaler Wochenkalender den ich am  Anfang des Jahres angelegt hatte, am Ende wieder ablege und aufbewahre.
Es steht alles Wichtige darin: Termine, ganz besondere Begebenheiten, zukünftige Pläne, Einkäufe, Geburtstage und auch Todestage, private Notizen, kleine Geschichten, ein Gedicht ab und zu und dann - auch der eine oder andere Gedanke. Ich nenne ihn mittlerweile meinen Tagebuchkalender und fahre gut damit weil ich kaum etwas vergesse, ich brauche ja nur nachzuschauen und weiß alles wieder als wärs gestern erst geschehen..
Freue mich, dass nun KLärchen zu diesem Thema auch etwas schreibt und bin gespannt wie sie es tut und was sie dazu meint.

.... seit Jahren schreibe ich diese Wochen und Monatskalender schon und keiner außer mir schaut hinein. Ich schrieb sie ganz gerne. Und dann überlege ich was ich - wann - und zu welchem Anlass ich sie geschrieben habe und erkenne manches wieder, anderes erscheint mir unglaublich zu sein, erkenne  manch Texte nicht wieder weil sie Jahre her sind. Wundere mich welch Gedanken mich bewegt und beschäftigt haben. Es sind gelebte Jahresabschnitte. Vergessen - vergangen - vorbei und doch gewesen..
Manchmal - nach Jahren - holen wir sie vielleicht wieder heraus und lesen sie, erfährt erstaunliches was wir längst vergessen haben.
Vielleicht lesen wir sie aber auch niemals wieder und die Enkel finden sie, wundern sich, wer wir waren, was wir alles erlebt haben.
Biographien in Tagebuchform erzählen nur Lebenssituationen die uns streiften.
Gelebt haben wir alle viel in den Jahren, die wir bewusst erlebten.
Dinge die passiert sind in unserem Leben.
Belastende, freudige, erwartungsvolle, unglückselige Situationen und damit Stationen die hinter uns liegen, die Vergangenheit sind. Im Fall meiner Großeltern sind es Kriege. Würde ich das nicht lesen können, wüßte ich nie was sie erlebt haben, es würde ein Stück Familiengeschichte fehlen.
Darf man darüber sprechen
Sollte man auf Ewigkeit darüber schweigen
Sollte man sie vergessen
So tun, als wären sie niemals geschehen?
Ich glaube nicht. Denn wir sind – durch die Vergangenheit, durch das bisher erlebte –derjenige der wir sind.
Der Mensch als Individuum oft  stark, oft schwach, auch beständig, bestimmt, zuverlässig, doch auch ebenso oft  unsicher im Werden;  wankelmütig und unsicher
oder aber  bestimmt und sicher indem er macht was er glaubt dass das was er tut, richtig für ihn ist.
Ich glaube an den Zufall der Zufälle, dass alles so kommt wie es eben kommt, vielleicht sogar Schicksale sind. Wir sind gepolt, anerzogen, in eine bestimmte Richtung gelenkt und erst wenn wir alt genug sind um selbst zu entscheiden was richtig und gut für uns ist, lässt uns  das  ein freier Mensch mit eigenen Entscheidungen werden. Egal ob das nun die Falschen oder Richtigen sind.

Ob wir nun einen Weg wählen den wir gehen möchten, eine Religion leben, einen Partner oder nicht wählen, ein Kind oder mehrere haben oder uns nicht für sie entscheiden, welchen  Beruf wir ergreifen oder ob wir in ein anderes Land auswandern, es bleibt uns überlassen wenn, wann – und weil  wir reif dafür sind.
Vieles geschieht weil wir unreif sind, noch unausgegoren,  auf dem Weg in eine bestimmte Richtung von der wir nicht wissen wohin sie uns führt, sind.
  So gehen wir manchmal  Risiken ein, verirren uns oder haben das Glück sofort auf der richtigen Seite der Brücke zu sein  die uns  auch im Leben in die richtige Richtung führt.
Ich glaube nicht ans vergessen von Vergangenem, dass das besser für uns  wäre sondern an  die Bearbeitung von unliebsamen Themen indem man sie wieder in s Gedächtnis ruft und sie ( gedanklich ) korrigiert anstatt  sie stundenlang wiederzukäuen was verhindern würde dass man sie abschließen kann.
Der Mensch ist ein Tier wenn es um die Instinkte des Überlebens geht, unsere Selbstheilungskräfte sich einmischen in das was wir planen. Wir regenerieren indem wir ausschlafen, wir erholen uns indem wir pausieren in dem was wir tun, wir sind vernünftig indem wir manchmal  unvernünftig für andere erscheinen es aber offensichtlich für andere  nicht sind.
Lassen wir uns nicht miteinander streiten, uns bekriegen und lange darüber diskutieren.
Wir sind – jeder einzelne von uns – denkende, planende, verantwortungsvolle Menschen, alle verschieden und sind was wir sind.

© Angelface

Kommentare:

  1. Ja, wir sind, was wir sind und wir sind verschieden und doch gehören wir alle zusammen - zumindest in meinen Augen bilden wir gemeinsam ein Ganzes!
    Du wirst es nicht glauben, aber ich habe niiiee ein Tagebuch geschrieben und so kann ich auch nichts nachlesen, was mich früher einmal beschäftigt hat. Aber die wichtigen Dinge sind eh in meinem Herzen und auf die, die ich noch aufarbeiten muss, wird mich das Leben sowieso immer wieder stoßen. Wir alle gehen ganz unterschiedliche Wege und was gut und richtig ist, bestimmen wir - aber es muss uns klar sein, dass das nur für uns zutrifft. Ein anderer hat eine ganz andere (Lebens-)Einstellung und wird uns vielleicht nicht verstehen. So, wie wir ihn nicht verstehen. Das Leben ist und bleibt spannend und natürlich gehört die Vergangenheit zu uns. Doch Leben müssen wir in der Gegenwart und du vermittelst den Eindruck, als wenn du das tust und mit beiden Beinen auf der Erde stehst! :-) Ein sonniges Wochenende! Martina

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  2. Liebe Martina, das finde ich ja interessant dass du zu jenen gehörst die nie etwas niedergeschrieben haben, kenne - ehrlich gesagt von weiblicher Seite fast keinen.
    Im herzen und im gedächtnis bleibt sowieso das was wir erlebt haben, stimmt, irgendwo in einer der vielfältigen Gedankenkästchen die wir im Hinterkopf oder in der Seele tragen, gut dass und wenn nichts belastet, schlecht wenn wir es mit uns auf dem Buckel als Ballast schleppen, so wie viele ein schweres Schicksal wie eine Krankheit oder Verluste tragen.
    Jeder von uns ist verschieden und , handelt und denkt anders, gut, dass wir sind wie wir sind.
    Bei uns regnet es - endlich der erwartete Segen für Baumbestand und Grün, dir ein entspanntes Wochenende - herzlich Angelface

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  3. Was Du schreibst kann ich zum größten Teil unterstreichen. Wir sitzen alle in einem Boot, doch schaukeln wir nicht immer im Gleichklang.Tagebuch habe ich nicht geschrieben, dafür haben meine Gedichte und Texte vieles festgehalten an Erfahrungen.Briefe habe ich gern geschrieben und die hat meine Freundin aufbewahrt, da steht vieles was ich schon vergessen hatte.Du weißt, ich lebe im Heute und Du auch.Was gestern war gehört zu unserer Geschichte ist aber auch Geschichte für mich, manchmal schön und manchmal traurig. Heute und schon lange bin ich bei mir angekommen.
    Danke für Deinen ausgiebigen Text, sehr gut!
    L.G.Klärchen

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  4. Danke für deinen netten Kommentar, schön das ich so deinen interessanten Blog gefunden habe. Einen schönen Sonntag wünscht
    Christine

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  5. Liebe Angel,
    Tagebuch habe ich auch zwei Mal eine Zeitlang geführt. Das erste habe ich später zerrissen, um die hässlichen Erinnerungen nicht zu "zementieren." Das zweite hebe ich auf. Es sind Lebensabschnitte, die zum Aufschreiben drängten. Aber manche Entscheidung, die man einst getroffen hat, würde man Jahre später nicht mehr so treffen. Daran sieht man, dass die einst eingeschlagenen Wege auch immer vom Alter und den Erfahrungen abhängen.
    Lieber Gruß zu dir hin!
    Ute

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  6. Tagebuch....
    eine Geschichtenschreiberin wie ich hat nie Tagebuch geschrieben. Manchmal, auf losen Zetteln Gedanken verfasst und ziemlich bald wieder verworfen, das schon.
    Die Vergangenheit ist im Kopf und vieles davon vergessen... schade eigentlich oder doch ein Segen.
    Wie auch immer. Das Leben macht aus uns das, was wir sind und gut so. Es grüßt eine nachdenkliche sissi, die gerade positiv in der Vergangenheit kramt und sich die schönen Seiten herauspickt... lächel

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  7. ach wie schön, da haben ja auch noch andere meinen Gedanken zum Thema gefunden und eigene Erfahrungen hinzugestellt, Danke, das ist ja äußerst aufschlussreich - wer ähnlich handelte, dachte und aufschrieb oder nicht. meine damaligen Tagebücher sind richtige kleine DIN A4 seiten gewesen, eine lange Weile, dann zettelchen die ich verlegte, zum Schluß und bis heute ist es ein Kalender, indem ich WICHTIGES festhalte, auch um bevorstehende termine nicht zu vergessen und natürlich den aktuellen Tag:)) - denn, den vergesse ich schon mal recht gerne wenn er nichts Wichtiges enthält.
    aber hilfreich habe ich dieses Kalenderschreiben immer empfunden wenn ich beispielsweise - ( wie im Krimi) gefragt wurde" was hast du dann und dann getan???????????????? ich konnte lt. Kalenderabfrage!!° - immer darauf antworten...lacht...
    ich danke Euch herzlich für Euere Statements zum Thema....Angelface

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  8. Schön, das Du deinen Text noch bearbeitet hast und das Bild Deiner Großmutter und Dein Kalendertagebuch und Notizbücher über die ich schrieb, noch erwähnt und eingefügt hast.
    Mein Thema hat mit Notizbüchern zu tun, ein Tagebuch oder Tagebuchkalender habe ich noch nie geführt. das ist ja auch etwas ganz persönliches ,wei Du es auch beschreibst, Du liest es allein für Dich. Ich schrieb Dir ja schon was ich als Tagebuch und Notizbuch ansehe.
    der letzte Satz von dir " Lassen wir uns nicht miteinander streiten, uns bekriegen und lange darüber diskutieren.
    Wir sind – jeder einzelne von uns – denkende, planende, verantwortungsvolle Menschen, alle verschieden und sind was wir sind."
    Ich denke übers Schreiben ob Tagebuch oder Notizen lässt sich gut diskutieren aber nicht streiten. man sieht es ja bei Dir und mir, an den Kommentaren...lächel
    Dir noch einen schönen Abend, wollte gar nicht mehr so viel Schreiben, klärchen

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  9. Ich war eigentlich nie ein Tagebuchschreiber .... es ging mir wie Ute Eppich schreibt .... als Schülerin schrieb ich mal eine kurze Weile Erlebnisse und Gedanken auf, dann zerriss ich das Ganze jedoch wieder. Denn das Leben bedeutete für mich Fortschritt, nicht Stillstand. Ein Tagebuch bedeutet letztendlich ja auch, daß man immer wieder drin blättert. Denn wozu behält man es sonst? Nun blogge ich und das hat auch Tagebuchcharakter. Allerdings würde ich nie sehr Privates in einen Blog setzen. Als Garten-Tagebuch finde ich einen Blog auch ganz interessant. Da ich die Naturbewegungen beobachten will, die Anlage des Gartens, die Weiterentwicklung und das halte ich vorwiegend im Gartenblog fest. Der andere Blog dient eher diesem und jenem, je nachdem, hat aber auch nicht den reinen Tagebuch-Charakter und ruht derzeit ohnehin, da ich wegen meiner Mutter einfach zu wenig Zeit habe.
    In meiner Familie führte übrigens niemand ein Tagebuch, von daher gibt es auch keine Aufzeichnugen. Der Vater meines Mannes führte jedoch einst ein Wander-Tagebuch.

    Alles Liebe nochmals
    Sara

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herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit die meinen Beiträgen gelten, denn mich interessiert auch die Meinung der anderen zum Thema das ich auswähle, lieben Gruß an Euch alle - Angelface -