Montag, 19. April 2021

Gespräche...

Coronafolgeschäden sind nicht nur aus gesundheitlicher Sicht zu betrachten, sie betreffen auch die Seele -  und wie ich darüber denke...

Gespräche....sie gehören ins Leben.

Das Glas ist immer noch für mich - halbvoll -
Mir fehlt eigentlich nix, außer der Tatsache festzustellen, ich lebe nicht in einem leblosen sondern eher in einem stummen Raum.

Noch führe ich keine Selbstgespräche, mein Schreiben ist oftmals Gespräch weil ich innerlich mit der Tastatur rede und wenn ich einen Artikel verfasst habe, lese ich ihn den Katzen laut vor, die gerne zuhören.
Prompt kommt regelmässig ein maunzendes Feed back.

Meine Gedanken sind lautlos und die imaginären Gespräche die ich ab und zu mit denen führe die schon verstorben sind, wie meine Mutter oder mein jüngerer Bruder, so befinden die sich allenfalls in meinem Kopf. Sonst ist es still um mich herum, wenn weder der Fernseher noch das Radio läuft und keine Katze herum quakt..

Gestern habe ich ausnahmsweise mal drei Leute auf Abstand gesehen.
Man bespricht Belangloses dennoch Wichtiges wenn es sich um Grundstücke, Gartenhausbauten und das Fällen von Bäumen handelt.
Man sieht sich vielleicht eine halbe Stunde und geht dann wieder auseinander.

Am Nachmittag kam eine befreundete Nachbarin vorbei damit ich ihr die Rechnung der letzten Pellets begleiche, die meinte auch: Ja, mei, wir haben uns ja schon wochenlang nicht gesehen, denkst du bitte daran, dass du mich nächste Woche zur OP in die Stadt fahren wolltest?“
Puh, ich hatte es tatsächlich vergessen weil es noch nicht in meinem Kalender stand, tsss...klopf - klopf Kopf.

"Danke für die Erinnerung" - wir tranken eine Tasse Tee miteinander, unterhielten uns eine kleine Weile über das Fernsehprogramm und was es wohl so Neues gibt und gab, wie Mimis und Merlins Erkrankung wovon sie noch nichts wusste - besprachen den Termin ihrer Op - wann ich sie abhole - und das war`s dann auch schon.

Ansonsten ist es  angenehm ruhig und still. Ich könnte auch genausogut nicht hier, sondern in einer Blockhütte in Kanadas weiten Wäldern wohnen, wo sich grunzende Bären, stille Luchse, Marder und Schlangen guten Morgen und schönen Tag sagen. Nur das Rauschen des Windes und der jeden Tag aufgehende Strahl der Sonne begleitet mich durch meine Tage. Zuverlässig und still.
Anregungen und Aufregungen entstehen nur innerhalb der gewohnten Umgebung von Haus und Garten. So schleppen sich viele Tage geradezu lautlos dahin, nur unterbrochen vom Gesang der Vögel und dem ab und zu behämmern eines benachbarten Grundstücks das mich aufhorchen lässt.


       Als jetzt  Mimi und Merlin -  meine Katzen  - so krank waren und ich um das Leben der alten Dame bangte, hörte ich Sätze wie: „ Gell, wenn die mal tot sind, schaffst du dir aber keine mehr an“!
Da liegt die Vermutung für mich  s e h r  nahe,  Null Einfühlungsvermögen - der hatte noch nie eine Katze und auch kein anderes Getier.

Ich erstarrte innerlich, schüttelte in Gedanken nur den Kopf  und dachte:  der kennt mich nicht.
Am Liebsten hätte ich entgegnet: „ Und, was soll ich deiner Meinung nach sonst machen?
Mit den Bildern an der Wand plauschen, die Bäume auf der Wiese umarmen und jeden Abend unglücklich und alleine in mein Bett gehen?" Ich hielt vorsichtshalber den Mund.

Gespräche fehlen mir...Sport, Reisen und Unterhaltung nicht.

Wenn ich meine Katzen nicht hätte, würde ich seit vielen Wochen und Monaten die Stimme verlieren. Sie sind für mich unter - vielem anderen - auch das Bindeglied in die Welt außerhalb meines Hauses und durchbrechen mit ihren berechtigten Ansprüchen meine Stille.

Der Kater kommt zu mir hoch während ich noch in die Tastatur klimpere, quakt mich an:
" kommste mit wenn ich einen Happen esse, ich will Gesellschaft, kraul mich dabei" , -  ich lache und folge ihm, klar, das kann er haben.
Die Verantwortung für sie bringt mich zum einkaufen ihrer Bedürfnisse, denn ohne sie könnte ich -   wochen und monatelang von meinen Vorräten leben und bräuchte niemanden zu sehen.
Aber wer will das schon - keiner,  auch ich nicht -  außer ein Eremit vielleicht.
Ich mag zwar keine Menschenmassen aber ein gutes Gespräch von Zeit zu Zeit mit einem klugen Gegenüber mit einem freundlichen Lachen ist schon schön und bereichert das Leben.

Meist flacht es ab zu reinen Informationen im Austausch über Pelletseinkäufe und Baumassnahmen, verständlich weil hier viel gebaut wird, neue Bewohner Häuser kaufen und informiert sein wollen, -
hier zumindest ist das so - kurze Info, an mehr ist man nicht interessiert. Es gibt nur wenige Ausnahmen, das ist etwas betrüblich.
Wir brauchen Gespräche und Stimmen wie die Sonne den Mond, der Mond die Sterne, und der trockene Wind  braucht den Regen für die Erde um gesund zu bleiben.

Doch wir leben, seit es Corona gibt in einer Ausnahme – ja geradezu Kriegssituation wo man kaum Menschen sieht ( wenn wir nicht arbeiten und alleine sind) So ergeht es ja vielen.
Einkaufen und schnellstmöglich ohne viel mit Fremden zu reden - wieder heim.

Meine noch gut zählbaren Nachbarn um mich herum leben mit wenigen Ausnahmen in Partnerschaften. Sie haben sich gegenseitig um zu reden, sind glücklich darüber gemeinsames zu teilen - selbst wenn sie sich nicht viel zu sagen hätten.
Ich frage mich oft: was machen wohl all die anderen alleine Lebenden, wenn sie weder Tier noch Mensch um sich haben, sich weder besuchen dürfen noch Besuch bekommen.
Starren sie irgendwann nur noch die stummen bildbestückten Wände an - oder krabbeln sie die hoch und kratzen an der Decke - oder haben sie wenigstens noch irgendein Hobby um sich zu beschäftigen? Der Tag mit seinen 12 Stunden ist ja lang, das Wetter oft noch schlecht, man kann noch nicht richtig und lange raus in den Garten um den neu zu bepflanzen. Das würde ja ein wenig Bunt ins Leben bringen.

Wer so wie ich,  viel liest, haut sich die Bücher stundenlang um die Ohren, ganz salopp dahergesagt ...Das bringt bei Sachbüchern zumindest Wissen und bei Krimis und Thrillern  Spannung und Unterhaltung in den Kopf und bei Biographien gute Laune wenn die Hände mal nicht rege sind.
        Bei dem Wetter sieht man sich wochenlang nur, wenn man zum Mülleimer geht oder durch ein flüchtiges Hallo von Garten zu Garten das man sich vielleicht zuruft - und das war`s dann auch.
       Hat man viel zu tun,  und viel zu lesen, braucht man niemanden zum reden – hat man nichts oder wenig zu tun – wird man wortkarg und still. Die Stimme versiegt. Hilft vielleicht lautes Singen, oder bleibt auch das lautlos?

Nun, wortkarge Menschen hatte ich bisher immer mehr als ich möchte um mich herum, eigentlich sind es eher Menschen gewesen, die nicht gerne viel sprachen.
Katzen sind weder still noch wortkarg, eigentlich sind sie wahre Erzählkünstler, man muss nur zuhören und schon hat man etwas zum Lachen.
Ich habe oft den Eindruck, Menschen reden und unterhalten sich nicht so besonders gern, hinter diesen Eindruck lege ich dann immer ein großes Fragezeichen, - das WARUM. Vielleicht ist das aber auch nur hier so und anderswo ganz anders, oder ich " kenne " die falschen Leute oder und..und..und...

Erzählen – sich austauschen – unterhalten um der Unterhaltung und der Information willen wird weniger und weniger.
Haben Menschen sich wirklich nichts mehr zu sagen?
Macht uns jetzt Corona zu einem stummen Miteinander?
Oder ist es  doch das digitale Leben mit Handy, Kurznachrichten und WhatsApp ?

Die Pandemie zwingt uns doch gleichzeitig zum Inne Halten, zum nachdenken was man im Leben verändern könnte, um den Klimawandel aufzuhalten beispielsweise, zum nachhaltiger leben, zum nicht mehr denken: morgen möchte ich : - schneller - höher - weiter – erreichen.

Den Gedenktag und die ökonomische Andacht für die vielen verstorbenen Corona - Toten und ihre Hinterbliebenen habe ich gestern Nachmittag im Fernsehen gesehen.
Ebenfalls die Trauerfeier um Prinz Philipp die mir sehr nahe ging,  auch seine deutsche Biographie, darüber hätte ich gern mit jemandem gesprochen, der das ähnlich empfindet - und der nicht verzweifelt und schon ungeduldig nach dem nächsten Reiseurlaub schielt.

Was für ein Glück - Keiner war da,  keinen hats interessiert, nur den Kater der komisch guckte als ich plötzlich heulte..
und mir dann auf den Schoß kroch, ich denke, er hat es verstanden..
Wozu doch Katzen gut sind...!!! Sie sind oft Trostspender.

Ich schau hinaus in die vernebelte Welt aus meinem Fenster, sehe in die knorrigen kahlen Äste, das Grau des Himmels, fühle mich mit meiner Tastatur verbunden, die Satz für Satz, - und Wort für Wort ausspuckt und denke_:

Reisen kommt für viele nicht mehr infrage, wie werden sie den Alltag mit sich selbst überstehen wenn sie niemanden mehr zum reden haben?
Der Stuhl gegenüber bleibt ja noch eine lange Weile  leer...

 andere "Coronafolgeschäden...." sie dauern an..
und sind nicht zu unterschätzen....

 


@ Angelface



Kommentare:

  1. Liebe Angel, Tiere sind gute Zuhörer, das merke ich auch. Leider geht es wohl vielen so wie Dir, allein mit sich und der Welt um uns herum.Schreiben hilft, das glaube ich Dir und das tust Du ja auch ausgiebig. Mir fehlt die Zeit dazu, obwohl wir nach aussen auch zu niemanden gehen oder sehen. Vorräte sind genug da. Gestern haben wir einen ausgiebigen Spaziergang im Wald gemacht und ich hatte meine Kamera dabei. Ein wenig Frühlingsluft schnuppern, aber an die frische Luft gehen wir ja eh mit unserem Hund. Viele Hundebesitzer kennen sich und mit Abstand gelingt auch ein kleines Gespräch. Bei Dir auf dem Berg gibt es ja auch nicht so viele Leute die dort wohnen, bei uns liegen die Dörfer 3-4 Km auseinander und der Wald ist Naherholungsgebiet. Viele Leute kennen sich, wenn auch manchmal nur vom Sehen. Wir müssen durchhalten. Früher bin ich auch nicht so oft in die Stadt gefahren und Theater gibt es ja nicht so viele auf dem Lande, bei Euch ja auch nicht. Mir fehlt es momentan nicht, aber Reden ja, das möchte ich auch gern mehr persönlich.Mit meinen Freundinnen mache ich einmal in der Woche, jeweils mit einer ,einen Spaziergang mit Mundschutz.
    Das Wetter müsste besser werden, dann sind auch mehr Menschen unterwegs und im Garten, Kinder hört man bei uns auch nicht, sie bleiben alle zu Hause und lernen.
    Also bleibt uns nur durchzuhalten bis alle geimpft sind.
    Liebe Grüsse, klärchen

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    1. auch schön da - wie schön ein Hallo zu dir,
      ja das impfen, das wäre wirklich dringlich obwohl hier ja etwas Schutz durch die fehlende Bevölkerung ist und wir gut Abstand halten können solange keine Urlaubsgäste erlaubt sind.
      40/50 jährige sind geimpft, 70/80 jährige noch nicht das ist und bleibt unverständlich und irritiert sehr.
      Bei uns im Park sind vielleicht bei 100 Häusern 2 - 3 Bewohner darin geimpft, mehr nicht, da zweifelt man an der Vernunft und Logik. Es gibt enorm viele Unsicherheiten im Verhalten, das ist - nicht gut.
      Durchhalten - durchhalten ist immer gut.
      ich hoffe auf besseres Wetter, dann kann man mehr in den Garten...damit kann man einiges durchbrechen...
      herzlich Angel

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