...ein Ausflug voller Überraschungen.
Ich hatte in der Nacht zuvor ganz gut geschlafen, der Wecker war schon gestellt. Die Befunde bereit gelegt. Die Tasche gepackt. Dann kam die erste Überraschung des Tages.
Tote Hose in der Batterie. Bei der
letzten Fahrt war der Kofferraumhebel wohl nicht sofort
zurückgeschoben worden, der Deckel des Kofferraumes dadurch nicht ganz zu, das hat
genügt um die Batterie über Nacht zu entladen. Das wusste der
Fahrer nicht als er das letzte Mal einparkte. Es jetzt festzustellen
war natürlich richtig Mist.
- 👀 Steht dieser besondere Arztbesuch jetzt unter
einem schlechten Stern?
* Ein Glück hatten wir ein wenig Zusatzzeit mit eingeplant. So konnte meine Freundin nach ihrem Frühdienst noch zu mir hochkommen und mit mir eine halbe Stunde darauf warten, bis der Wagen wieder ansprang den der Nachbar mir mit seinem Gerät zum Aufladen angeschlossen hatte. Zumindest hofften wir das. Leider klappte das nicht, wie gewünscht sodass wir es – ich lenkte den Wagen und die beiden schoben das Auto vom Parkplatz hoch ins Sträßchen in die richtige Position damit er mit seinem Auto meines Kurzstarten konnte. Anstrengend genug durch die abschüssige Schräge am Parkplatz , waren wir zum ersten Mal schon geschwitzt - leicht angespannt und hatten ordentlich vor*geplante Zeit verloren.
Der Rest der Fahrt war aber soweit in Ordnung, das Auto lud sich ja durch die Fahrt auf und ich rief von unterwegs die Praxis an um dort unsere Verspätung mitzuteilen, war aber natürlich entsprechend hibbelig und immer noch angespannt.
Erst mal Stadt und dann tolle Stadt im Sonnenschein. Wir parkten gegenüber der Praxis im Parkhaus und ich war froh, dass sie die Stadt wie ihre Westentasche kannte. Viel los auf den Straßen, ich erkannte einiges später in der Fußgängerzone wieder von früher und freute mich schon auf den Stadtspaziergang – mal wieder etwas anderes nach dem Arztbesuch zu sehen, als unsere grüne Wildnis im Park..
Eine riesige schicke große Praxis. Ruhig und angenehm, keine Hektik, keine spürbare Eile. Viel Personal, lange Gänge von denen die einzelnen Sprechzimmer abgingen. Die 10 dort behandelnden Ärzte operieren in 3 unterschiedlichen Stadtkrankenhäusern anderer Städte wechselseitig, denn es ist ein bekanntes Wirbelsäulenzentrum im Main-Kinzig-Kreís das von dort aus das gesamte Spektrum der Wirbelsäulen Chirurgie organisiert, behandelt und jeweils operiert.
Freundliche Anmeldung, ansprechende ruhige Atmosphäre , aufmerksames Sprechstundenpersonal , gutes Zeitmanagement, ich musste nicht lange warten bis ich ins Sprechzimmer eingeladen wurde und den Arzt dort schon in meinen Befunden lesend vorfand. Er nahm sich Zeit und schaute sich die Bilder im CT genau an.
Also für die lange Zeit die mich meine Wirbel schon tragen, hab ich eine wunderschöne Wirbelsäule mit wenigen Abnutzungen wird mir erzählt. Das kriege ich jetzt auch ebenso wie der Hausarzt schriftlich digital zugeschickt, der sich die CD vom Hals - CT nicht mal anschauen wollte.
Das kennt er auch schon länger von den Hausärzten die die Bilder eh nicht lesen können, meint mein Wirbelsäulenspezialist und lächelt mich freundlich dabei an, während er die mitgebrachten Befunde durchblättert. Da haben sie ja schon eine Menge vorzuweisen, das ist nicht von schlechten Eltern“ und meint dann weiter „ stehen Sie bitte auf und gehen ein paar Schritte damit ich ihr Gangbild beurteilen kann“. Den Gefallen tu ich ihm gerne, denn ich hab ja schon eine Stunde im Auto gesessen das mir am frühen Morgen schon die erste Überraschung beschert hatte, indem es nicht ansprang. Als ich es ihm erzählte, musste er über die kleine Anekdote – Auto schieben ehe es fährt *;- etwas grinsen.
Bei den paar normalen Schritte die ich bis
zum Fenster mehrere Male nacheinander und zurück machen sollte, war nichts ungewöhnliches groß für ihn
festzustellen. Doch als er mich bat, mir eine gerade Linie
vorzustellen auf der ich direkt Schritt vor Schritt setzen sollte, fiel ich nach 3 Schritten sofort um. Ein gerades Gehen und dabei stehen bleiben war nicht
möglich.
Er nahm eine Stimmgabel zur Hand, setzte sie mir auf
dem linken Handrücken auf, es vibrierte in meiner Hand wie das
Handy das man zum aufladen in die Steckdose steckt – und machte
diesen Test auch am rechten Fußrücken – sah mich an und sagte;
Tja meine Liebe, da haben wir das Problem schon - und die Diagnose
auch. Es ist eindeutig ohne Zweifel eine Polyneuropathie .
Da Sie
selbst Arzthelferin waren, wie ich aus Ihren Papieren entnehme,
können Sie dem Krankheitsverlauf praktisch zuschauen wie es sich weiter entwickelt, obwohl sie jetzt noch keine fühlbar ständige und chronische Beschwerden/oder Schmerzen im Bein
haben. - Da tut sich nichts mehr, das Bein nimmt nichts mehr wahr.
Die Nervenenden im unteren Beinbereich sind auf Dauer geschädigt
und wer weiß schon wie lang. Man kann jetzt natürlich noch die
Ursache durch eine Brustwirbeldurchleuchtung festigen und bestätigen
, denn ein MRT geht ja bei Ihnen durch den Schrittmacher nicht. Aber
mir reicht das schon was ich jetzt sehe. Sie müssen nochmal zum
Neurologen damit er bei Ihnen sämtliche Nervenstränge durchmisst. Dann kann behandelt werden und wir müssen weiter sehen wie es sich entwickelt. Diese Diagnose kommt leider nun zu den Ihren hinzu.
Die Ursache könnte alles mögliche sein informierte er mich. Ob Medikamentennebenwirkungen seit der Herz OP , sie nehmen ja lt .Plan einiges ein, - ob Diabetes Typ II , Ernährung, Bewegung usw. zusätzlich eine Rolle dabei spielen ist fast schon zweitrangig. Erst muss durch den Neurologen festgestellt werden was noch alles geschädigt ist. Die „ beschriebene Zyste im Ct, - übrigens sind es zwei, die an dem 5.Halswirbel – eine links eine rechts hängen. Sehen Sie hier selbst auf den Bildern zeigte er mit dem Stab und fuhr die Wirbel entlang - sind nicht dafür verantwortlich und so klein, nicht störend haben damit nichts zu tun, die können sie vernachlässigen, da kann ich Sie beruhigen.
Doch zusätzlich sollten Sie erneut zum Gefäßchirurgen, und die Enge besprechen da sich ja jetzt nur um die Zyste orientiert wurde. Da müssen Sie nochmals ran, denn die Enge in der Halsvene ist damit nicht erklärt, da muss sich noch einmal jemand kümmern“.
Damit hatte ich seine Diagnose erst mal in der Tasche und war irgendwie damit auch erleichtert.
Endlich haben die unerfreulichen irritierenden störenden Gangstörungen und das Schwindelgefühl einen Namen.
Damit verabschiedete er mich freundlich sichtlich besorgt und wollte sich mit meinen Nephrologen in Verbindung setzen, damit dieser mich an einen guten Neurologen weiter überweist...
… Puh, das ist natürlich heftig, zwar hätte ich selbst von tiefer Beinvenenthrombose nach der letzten Schmerzattacke im Oberschenkel der mich so verwirrte bis hin zu Krämpfen; oder eher auf Durchblutungsstörungen getippt, doch das hatte ich nicht erwartet oder daran gedacht, denn es fehlte das Taubheitsgefühl im Bein, auch das Kribbeln und Ameisengefühl völlig, sonst wäre ich selbst darauf gekommen. Gut, es war auch schon mal , wenn ich lange am PC saß „eingeschlafen „war aber sonst nur oft heiß am Tag/wenn ich darauf achtete und immer in der Nacht seit im Februar 2012 im Laufe des Jahres nach einem Sturz von der Wendeltreppe das Sprunggelenk zwei mal operiert und mit dessen Spätfolgen ich im April 2013 noch hinkend umgezogen war.
Was ich jetzt damit mache , gilt es nun neu zu überlegen, wenn ich die ÜW zum Neurologen und dort einen Termin zum Durchmessen bekomme.
Wissen beruhigt immer, alles was man weiß kann auch - irgendwie - angegangen werden.
Anschließend gönnten die Freundin und ich, uns einen langen Spaziergangsbummel quer durch die Stadt - die Fußgängerzone entlang mit all den bunten Boutiquen und Geschäften. Kehrten zum Essen ein, setzten uns zum Kaffee trinken in die Sonne und ruinierten uns durch das Gehen über das Kopfsteinpflaster gerne die Füße, wobei sie mir etliche hübsche Anekdoten erzählte die sie in dieser Altstadt alle schon vor Jahren erlebt hatte. Es war kurzweilig und interessant ihr zuzuhören. Doch mehrere Male fragte sie mich : geht ’s noch, kannst du noch? Während wir weiterliefen und ich sagte ein Indianer kennt keine Pause und keinen Schmerz, er läuft und läuft und irgendwann fällt er mal um, dann hat er Pause und ruht sich aus „!..
* Lange hielten wir uns als letzte Station die sie mir unbedingt zeigen wollte in einem schönen großen Sozialkaufhaus auf, indem es alles gab was das Herz begehrt. Ich staunte darüber, was es dort alles gab. Sie machen seit Jahren regelmäßig Haushaltsauflösungen wo nichts weggeschmissen wird sondern alles angeboten wird was man sich vorstellen kann. Nur gute Qualitätsware wurde angenommen und angeboten, der Rest verschenkt oder entsorgt. Ob nun Möbel aller Art, ganze Kinderabteilungen gut bestückt sind , fast ungetragene Fehlkäufe wie ehemals teure Leder - Markenschuhe erhältlich sind. Von Deko, zu wunderschönem sehr altem Geschirr, Antiquarisches an Figuren, Damen und Herren - Kleidung aller Art, Bildern, wo Schmuck und Nippes in hervorragendem Zustand zu kleinen Preisen angeboten werden und lernten dabei entzückend nette, ältere zuvorkommende Menschen kennen, denen man anmerkt , wie gerne sie es ehrenamtlich anbieten und damit ein gutes Werk tun, getragenes, genutztes - gut erhaltenes - Gebrauchtes weiter zu geben.
* Ich ließ mir sofort die Adresse geben. Das ist eine gute Quelle und ich bin beruhigt dass es so etwas überhaupt in dieser Form gibt. Da wäre eines schönen Tages auch mein Haushalt gut aufgehoben* und nichts käme davon in die Tonne.
Als sich meine Begleiterin zu fast neuen ausgefallenen guten Markenlederschuhen sowie einem weichen wunderschönen hellen Ledersitzpuff entschloss, nicht nein zu sagen, der aber zu groß war um ihn quer durch die Stadt zurück bis zum Auto zu tragen und ich sagte“ Du, ich geh keinen Schritt mehr“, packten wir unseren Einkauf von jeweils 15, 50 -€ und bei ihr 21,.00 € außer dem extra zu bezahlendem Lederpuff ein und ich setzte mich mit dem Puff vor die Tür was die Verkäuferinnen lachend gut hießen und mir eine Tasse Kaffee und eine Flasche Wasser dazu stellten während *sie sich hoch zum Auto im Parkhaus vor der Arztpraxis schleppte und mit diesem nach einer halben Stunde wieder zurück kam um mich samt Einkauf einzuladen..
Ich hatte eine Menge Spaß in der halben Stunde vor-dem -Laden warten, mit der Bemerkung auf den Lippen, ich kann mir ja dazu ein Schild auf die Brust malen – hier sitzt ein Schrittmacher der keine eigenen Beine hat weil er eingebaut ist - was eine Lachsalve bei den älteren Damen auslöste.
Die Fahrt zurück in der Sonne ging nur bis zum Städteende. Dort gab es den teuren bekannten Bäcker eines bekannten Namens der Brot, Brötchen, Kuchen, und Stückchen – die alles vom Vortag zum halben Preis und weniger verkaufen. Dort machten wir Rast und gönnten uns noch zum Käffchen draußen an einem Tisch in der Sonne hervorragende Mohnkuchenstückchen die wunderbar wie frisch gebacken schmeckten und ließen uns duftendes Rosinenbrot und Bauernbrote mit Kümmel für zwei zum geringeren Preis einpacken, bis wir weiter nach Hause fuhren.
So frisch und lecker kennen wir das beide nicht von unserem Bäcker, der das dreifache dafür verlangt was schon mittags nicht mehr frisch schmeckt - stellten wir beide fest. Nach dem zwischenzeitlichem Tanken, dem Auspacken bei ihr vorm Haus und anschließend bei mir mit der Schubkarre unsere Beute ins Haus zu mir - um es zu verstauen, empfanden wir dann als das kleinste Übel des Tages , zeigte uns aber auch, wie erschöpft wir gleichzeitig vom Tag waren obwohl wir altersmäßig 25 Jahre auseinander sind..
Heute wird sich erholt, nur die Waschmaschine darf arbeiten...
und ich freue mich über wunderschöne neue Strickjacken in besonderen Farben und Formen, denn davon kann man nie genug haben...
Weitere sehr willkommene Beute bei mir sind eine hübsche Spieluhr, mit Tiermotiven im Gehäuse eine lustige Wanduhr die ich gegen eine
langweilige austausche, eine weiße überlange Leinenbluse mit
Baumwollspitze in den Ballonärmeln mit großen Taschen, so schön
als wär' s ein Kleid, ein schwarz-rotes Blumenröckchen zu einem
weichen beigen Langarmpulli, drei wunderschöne superweiche
hellgraue Strickjacken in tollem Strickmuster die ausgesprochen teuer
aussehen, ein paar Frühlingssportschuhe, drei Langarm T-Shirts in
toller Qualität und eine alte romantische Teekanne im verspielten
Röschenmuster eines bekannten Herstellers in der ich mir sofort
grünen Tee zum Abendessen aufgebrüht habe. Celinchen hat natürlich
bei unserer Heimkehr alles inspiziert und für „ genehmigt“
befunden.
Schließlich muss man sich nach so einem anstrengenden
Arzt - Ausflug auch ordentlich belohnen. Auch meine fahrende
Begleiterin ist über ihre unerwarteten Einkäufe sehr glücklich und
schmiss sofort ihre Waschmaschine an.
@ Angelface
Ahh: Polyneuropathie. Ja, die gibt es, und ich kenne einige, die damit irgendwie umgehen..
AntwortenLöschenDu gehtst super damit um, allein die Freunde über die "Nebenerscheiningen" deines "Ärzteausflugs"! Am tollsten finde ich die Stelle mit der geraden Linie! Liebe a n g e l - es ist doch viel besser, die nicht gerade Linien im Leben zu wagen. Man nennt das - ich interpretiere weiter: Divergentes Denken im Gegensatz zum Konvergenten Denken. Ersteres ist kreativer und viele können es nicht. Dabei gehen sie schnurstracks an der Blauen Blume vorbei, die doch ein Symbol für das GOLD ist. Bewahre deine Einstellung und lebe weiter!
LOVE LOVE LOVE